Instrumente und Methoden zur Korruptionsbekämpfung in Unternehmen Teil 3

Wer sind die Täter und was begünstigt die Korruption?

 

Mit der Frage wer sind die Täter und wie wird ihr Handeln begünstigt haben sich in den letzten Jahrzehnten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie Institute auf der Basis von bekannt gewordenen Fällen beschäftigt. Die veröffentlichten Ergebnisse zeigen folgendes Bild:

  • In 2/3 der Fälle sind die Täter Mitarbeiter der geschädigten Unternehmen. 
  • Frauen sind weniger in Korruptionsfälle verwickelt. 
  • Der Anteil der Mittäterschaft ist extrem gestiegen. 
  • Die Täter sind männlich und zwischen 35 und 55 Jahre alt. 
  • Ihre Zugehörigkeit zum Unternehmen beträgt mehr als 5 Jahre. 
  • Laut Beurteilung im Unternehmen sind die Täter freundlich, kompetent und im Kollegenkreis akzeptiert. 
  • Ca. 1/3 der Täter sind in Führungspositionen. 

Diese sich über Jahre hinweg gefestigten Analyseergebnisse machen deutlich, wie schwierig es ist potentielle Täter innerhalb des Unternehmens ausfindig zu machen und Korruption zu verhindern. Experten wie Wolfang Schaupensteiner gehen da-von aus, dass lediglich 5% der Korruptionsfälle aufgedeckt und geahndet werden. Diese Aussage ist erschreckend und müsste dem Grunde nach massiv zu durch-greifenden Maßnahmen in den Unternehmen führen. Genau das Gegenteil ist der Fall.

 

Woran liegt es und was begünstigt die Korruption:

  • Unzureichende organisatorische Maßnahmen und systematische Kontrollen. (Laut KPMG, veröffentlicht in Welt24 vom 06.06.2017, betrifft dies weltweit 2/3 der Unternehmen. In Europa sind es sogar 75%) 
  • Unzureichende oder fehlende Risikowahrnehmung 
  • Fehlende bzw. unsystematische Datenanalyse 
  • Ausschließliche Vertrauensorganisation 
  • Unternehmen schulen nur unzureichend ihre Mitarbeiter 
  • Unternehmen sind unzureichend über die Verwundbarkeit informiert 
  • Fortschreitende Internationalisierung auch im Mittelstand. 
  • Es werden unzureichende finanzielle und technische Mittel zur Verfügung gestellt. Besonders betroffen hiervon ist der Mittelstand.

Installierte Maßnahmen zur Vermeidung von Korruption stellen keine Misstrauens-bekundungen gegenüber den Mitarbeitern dar sondern sind in erster Linie als Schutz für die gefährdeten Mitarbeiter zu sehen.

Vorab muss sich jedoch die Unternehmensleitung darüber im Klaren sein, dass Korruption eine Gefahr fürs eigene Unternehmen darstellt. Wird diese Frage mit ja beantwortet, so bedarf es gegenüber den Mitarbeitern und externen Vertragspartnern einer klaren Information über die Unternehmensphilosophie und der sich ergebenden Konsequenzen. Erst hiernach sollte man sich über mögliche organisatorische und technische Kontrollen/Analysen Gedanken machen.

Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass es bereits an der Bereitschaft klare Signale ins Unternehmen zu senden fehlt. Grund hierfür ist in aller Regel die Aussage „so oft kommt es ja nicht vor oder ich möchte mein Unternehmen nicht kriminalisieren“. Diese Aussagen sind trügerisch. Alle Analysen basieren ausschließlich auf den bekannt gewordenen Fällen. Hier noch einmal der Hinweis, dass lediglich 5% der Fälle aufgedeckt werden.

Fazit: Die unterschiedlichen Studien machen deutlich, dass es schon seit vielen Jahren im Mittelstand an systematischen und ganzheitlichen Präventionsmaßnahmen fehlt. In den letzten Jahren sind insbesondere im Mittelstand durch kriminelle Machenschaften Millionenverluste entstanden.

Wird eine kriminelle Handlung bekannt, so schreckt das Management in aller Regel kurz auf und stellt sich die Frage: „ Kann das bei uns auch passieren?“. Derartige Informationen führen jedoch noch nicht dazu, dass ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement mit entsprechenden Frühwarnsignalen etabliert wird.

Aus Compliance Sicht sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben und getreu an den Spruch „Steter Tropfen höhlt den Stein“ denken.

 

Günter Müller
Geschäftsführer
dab: Mittelstand GmbH

28 Juni 2017