Instrumente und Methoden zur Korruptionsbekämpfung in Unternehmen Teil 1 

 

Was ist Korruption und wo fängt sie an?

 

Eine klare und allgemein gültige Definition für Korruption gibt es nicht. Transparency International Deutschland e.V. kommt zu dem Schluss, dass der Begriff Korruption genauso undurchsichtig ist, wie die Strukturen, in denen Korruption gedeiht.

Die krimilogische Forschung definiert laut Bundeskriminalamt die Korruption als „Missbrauch eines öffentlichen Amtes, einer Funktion in der Wirtschaft oder eines politischen Mandats zugunsten eines Anderen, auf dessen Veranlassung oder in Eigeninitiative, zur Erlangung eines Vorteils für sich oder einen Dritten, mit Eintritt oder in Erwartung des Eintritts eines Schadens oder Nachteils für die Allgemeinheit (Täter in amtlicher oder politischer Funktion) oder für ein Unternehmen (betreffend Täter als Funktionsträger in der Wirtschaft)".

Letztendlich bedeutet Korruption immer die Ausnutzung einer Machtposition zum eigenen Vorteil. Beleuchtet man den Begriff „Machtposition“ näher, so denkt man vorrangig an Amtsträger welche Entscheidungen z.B. die Erteilung von Aufträgen oder die Erteilung von Genehmigungen zu treffen haben. Aber auch Einkäufer eines Unternehmens die mittels Zuwendungen den Wettbewerb aushebeln, nutzen ihre Machtposition aus. Der Begriff „zum eigenen Vorteil“ ist nach einhelliger Meinung der Experten weit auszulegen. Unstrittig dürfte z.B. die Erlangung eines Auftrages nach vorhergehender Bestechung sein. Wichtig an dieser Stelle ist jedoch auch die Tatsache, dass der Vorteil nicht dem Bestochenen unmittelbar zugutekommen muss.In der Praxis zeigt sich dies wie folgt:

  • Der eigene Vorteil kann zum Beispiel auch in einer Spende für einen Verein liegen, in dem der Bestochene aktiv ist.
  • Der eigene Vorteil kann auch in der Überlassung eines Ausbildungsplatzes oder der Anstellung eines Kindes sein.

 

Werteverfall und fehlende Identifikation

Korruption hat es weltweit immer schon gegeben. Unterschiedlich dürften jedoch die gesellschaftliche Bedeutung und der wirtschaftliche Hintergrund sein. Der schleichende Werteverfall in unserer Gesellschaft ist für die jüngste Entwicklung maßgeblich verantwortlich. Der Eigennutz wird zwischenzeitlich weit über den Gemeinnutz gestellt. Dies ist auch der Grund dafür, dass Korruption in allen gesellschaftlichen Gruppierungen und Schichten auftritt.

Würde ein vorbildhaftes Verhalten durch die Vorgesetzten und auch der Mitarbeiter gelebt, so würde dies im Kampf gegen die Korruption am besten überzeugen und vorbeugen.

Bedingt dadurch, dass der eigene Vorteil immer mehr in den Vordergrund gestellt wird, schmilzt die Identifikation zum Beispiel mit dem Arbeitgeber immer mehr.

Wenn Korruption sich quasi selbst der beste Nährboden ist, wenn ein gesellschaftliches Klima geschaffen wird, in dem der Glaube an Gleichheit vor dem Gesetz, an faire Verfahren und das Vertrauen in die politischen Institutionen massiv beschädigt werden, entsteht eine gefährliche Tendenz hin zu einer gesellschaftlichen Anarchie. So gesehen kommt dem Kampf gegen die Korruption für den Erhalt der gesellschaftlichen Integrität und öffentlichen Moral herausragende Bedeutung zu.

 

Wann wird mein Handeln zum Problem?

Diese Frage wird auf gestellt und kann leider nicht erschöpfend beantwortet werden, da überwiegend eine Einzelfall Betrachtung greift. Bevor man sich jedoch der Lösung nähert, ist zu unterscheiden, ob die Frage juristisch beantwortet werden soll oder ob man moralisch und ethisch eine Lösung sucht. Beide Ansätze führen in der Praxis oftmals zu unterschiedlichen und meist nicht zu verstehenden Lösungen. Bei konsequenter und enger Auslegung sind wir alle schon mal Opfer und Täter von Korruption geworden! Zum besseren Verständnis möchte ich nachstehend einige Beispiele aus der Praxis darstellen:

  • Arzttermin
    Telefonische Terminabstimmung für den Besuch bei einem Facharzt. Ergebnis ist eine Wartezeit vom mehreren Monaten. Alternativ geht man in die Praxis und stimmt einen Termin persönlich ab. Gleichzeitig steckt man eine kleine „Spende“ in das Sparschwein der Arzthelferinnen. Nun kann man sich auf einen Termin in wenigen Wochen freuen. 
    Bei strenger Auslegung liegt hier ein korruptes Verhalten vor. Es würde jedoch keiner auf den Gedanken kommen, dies als verwerflich anzusehen. In der Praxis wird dies auch oft als Beschleunigungszahlung betrachtet.
  • Kleine Gefälligkeiten
    Der Dienstleister eines Auftraggebers verfügt über einen Transporter. Der für den Auftraggeber zuständige Einkäufer baut ein Haus und möchte für Materialfahrten an den Wochenenden den Transporter ausgeliehen haben.
    Aufgrund der Tatsache, dass der Einkäufer geschäftliche Beziehungen zu dem Dienstleister unterhält, handelt es sich um einen sehr kritischen Vorgang. Zum Schutz des Einkäufers und zum Schutz des Lieferanten ist es notwendig, dass die Geschäftsleitung über den Wunsch des Einkäufers informiert wird. Stimmt sie zu ist der Vorgang in Ordnung. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die entstehenden Kosten von dem Einkäufer nachvollziehbar bezahlt werden. Empfehlung nicht bar sondern mittels Überweisung zwecks Transparenz.

    Sollte jedoch weder eine Genehmigung eingeholt werden noch Kosten durch den Einkäufer übernommen werden, stellt dies bereits ein Korruptionsfall dar. Über die anfänglichen Gefälligkeiten werden im Laufe der Zeit regelmäßige Zuwendungen. Dies nennt man in der Praxis „anfüttern“. 
  • Arbeitsstelle für den Sohn
    Der Sohn des Einkäufers für Maschinenbauteile sucht einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich. Umfangreiche Bewerbungen in der Vergangenheit waren erfolglos. Der Einkäufer spricht diesbezüglich den Lieferanten von Maschinenteilen an und signalisiert diesem zusätzliche Aufträge, wenn er seinen Sohn in die Berufsausbildung übernimmt.
    Es handelt sich um einen klassischen Fall der Korruption bei dem der direkte Partner (Einkäufer) nicht der begünstigte ist sondern ein Dritter (Sohn). Diese Konstellation darf es in keinem Fall geben, da weder Lieferant noch Einkäufer in der Lage sind die geschäftlichen Angelegenheiten objektiv und unvoreingenommen abzuwickeln. Eine (naive) Zustimmung des Auftraggebers würde dieses Problem nicht lösen. 
  • Vermittlungsprovision
    Der Personalchef einer Produktionsfirma ist verantwortlich für den Einkauf von Zeitarbeitskräften. Er vereinbart, mit dem Dienstleister eine Provision in Höhe von 5% des Umsatzes. Im Gegenzug gestattet der Personalchef der Zeitarbeitsfirma die Mitarbeiter eine Stufe höher einzugruppieren um damit mehr Umsatz abrechnen zu können. Die Zahlungsabwicklung der Provision erfolgt über ein angemeldetes Gewerbe der Ehefrau des Personalchefs. Der höhere Umsatz deckt somit die zusätzlichen Provisionszahlungen an den Personalchef ab.
    Es handelt sich um den klassischen Fall von Korruption. Da die Zahlungsabwicklung über ein Gewerbe der Ehefrau des Personalchefs erfolgte liegt zumindest keine Steuerhinterziehung vor. Es stellt sich jedoch die Frage, ob sogenannte Scheingeschäfte vorliegen. In diesem Fall würde sogar neben der überhöhten Einstufung noch ein weiterer Schaden (Vorsteuerverlust) eintreten.

    Aufgrund des Vertrauensverlustes sollten Umgehend die Geschäftsbeziehungen mit der Zeitarbeitsfirma beendet werden und dem Personalchef gekündigt werden. In derartigen Fällen darf es keine Kompromisse geben, da später immer wieder bei der kleinsten Kleinigkeit die Vertrauensfrage gestellt wird.

 

Fazit

Unabhängig davon, ob im Unternehmen eine Compliance Richtlinie vorliegt oder nicht sollte jeder darauf achten, dass

  • das Tun transparent ist, 
  • keine persönlichen Vorteile direkt oder indirekt angeboten oder angenommen werden, 
  • angebotene oder geforderte Zuwendungen der Unternehmensleitung gemeldet und 
  • aufgedeckte Fälle konsequent geahndet werden.

Diese Praxis führt mittel und langfristig zum Erfolg und nützt allen Betroffenen.

 

Günter Müller
Geschäftsführer
dab: Mittelstand GmbH

5. Mai 2017